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Wilde Ernte in Paulas Garten - Teil I.

di paula polak - ingenieurbüro für naturnahe landschaftsplanung
Herausgegeben von in Pflanzen ·
Tags: PflanzedesMonats
Über „normales“ Gemüse im Garten rede ich heuer gar nicht, dazu hat mir – auch dank der Wilden Blümchen – einfach die Zeit gefehlt. Das dafür vorgesehene Hochbeet wurde eiligst von Borretsch (Borrago officinalis, siehe Titelfoto & Foto rechts), Seifenkraut (Saponaria officinalis) und der Knoblauchsrauke (Alliaria officinalis, siehe Foto unten) übernommen. Letztere kann man aber ruhig als (Wild-)Gemüse bezeichnen: sie schmeckt leicht, aber nicht penetrant, nach Knoblauch. Die jungen Blättchen kommen gut auf Salat, die älteren in Pesto, Suppen und Spinat. Aber nicht mitkochen, denn dann verlieren sie ihr Aroma. Da ich die armen Pflänzchen laufend beernte, habe ich ständig zarte, junge Blättchen. Aber keine Angst, die 2-jährige Knoblauchsrauke kann man nicht ausrotten, immer wieder schaffen es Pflanzen zur Saatreife, wodurch die Ernte für nächstes Jahr garantiert ist. Da sie Millionen Samen produziert, bleiben auch mir davon genug zum Ernten und Trocknen. Sie würzen dann via Pfeffermühle die dicken Wintersuppen. Sie ist reich an Provitamin A, Vitamin C und Mineralstoffen, enthält Senfölglykosiden, Saponine und ätherische Öle. Diese Inhaltsstoffe wirken vor allem antibakteriell, wassertreibend, schleimlösend und leicht wundheilend.

Überhaupt ist der September eine wunderbare Zeit für die Ernte. Die Hollerbeeren sind gerade richtig – das gibt Saft und Marmelade, ausgezeichnet gegen Halsweh.

Und die Brennnesselnüsschen sind reif! Die Brennnessel (Urtica dioica) wird ja immer als die Königin der Heilpflanzen bezeichnet. Alle ihre Bestandteile, Blätter, Stängel, Nüsschen und Wurzeln sind heilsam und lassen sich vielseitig verarbeiten. Kein Wunder also, dass sie sich mittels Brennhaaren vor Mensch und Tier zu schützen weiß.
Die Samen der Brennnessel – die Nüsschen – liefern Proteine, sehr viele Mineralstoffe, insbesondere Kalium und Kalzium, und u.a. die Vitamine C, B3 und E. Die Brennnessel wirkt entwässernd, und damit entgiftend und blutdrucksenkend. Ihre Inhaltsstoffe bewirken eine verstärkte Ausscheidung von Harnsäure über die Nieren und verhindern damit die Ablagerung von Harnsäurekristallen in Gelenken und anderen Geweben, die zu Schmerzen und Entzündungen führt. Gichtkranken wird also unter anderem eine Kur mit Brennnesseltee empfohlen.

Die Brennnessel ist also das ideale regionale Superfood! Wir brauchen keine aus Mittelamerika importierten Chiasamen um teures Geld kaufen, wir beernten einfach die Brennnessel. Idealerweise haben wir sie selbst im Garten. Ich habe schon einige Kunden, bei denen ich sie entlang der Hecke oder in einem ungenützen Eck ansiedeln durfte. Dann weiß man jedenfalls, dass sie ohne Düngung durch Hunde gewachsen sind. Oder wir beernten sie auf einem Schlag abseits der Straße. Wo auch immer – wir achten drauf, dass sie raupenfrei ist. Ist doch die Brennnessel Raupenfutterpflanze für rund 50 Schmetterlingsarten. Für vier heimische Tagfalter-Raupen ist sie sogar die einzige mögliche Futterpflanze: Kleiner Fuchs, Tagpfauenauge, Admiral und Landkärtchen. Weitere 20 Arten leben und fressen auf der Brennnessel, aber auch auf anderen Pflanzen, wie C-Falter, Schönbär, Distelfalter und einige Nachtfalter.
Übrigens sind bei Schmetterlingen neben der Brennnessel als Raupennahrungspflanzen noch Salweide und Schlehe besonders beliebt. Die pflanzen wir also auch in unsere Hecken. Schlehe auf sonnig-trockenen Standorten, Weide eher auf feuchten.

Ich ernte immer ca. die obersten 30cm der Brennnesseln, knipse die Blätter ab und trockne sie für Tee. Dann streife ich die Samenstände, lieber mit Handschuhen, einfach ab, verwende sie frisch oder trockne sie sofort, denn sie schimmeln leicht. An warmen Tagen trockne ich sie im Freien auf einem Tuch im Schatten, sonst im Backrohr bei maximal 40 Grad.
 
Ich wünsche viel Vergnügen beim Ausprobieren & sage Mahlzeit!





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