Paulas Blog - di paula polak - ingenieurbüro für naturnahe landschaftsplanung

naturnahe garten- & landschaftsplanung
Direkt zum Seiteninhalt

Wenn im Februar die Ameisen sich zeigen...

di paula polak - ingenieurbüro für naturnahe landschaftsplanung
Herausgegeben von in Tiere im Naturgarten ·
Tags: AmeisenUmweltschutzRoteListeWaldpolizei
Zuerst wollte ich ja einfach über Insekten schreiben... Insekten. Das würde bedeuten, ca. 60% aller Tierarten auf der Welt in einem einzigen Artikel beschreiben zu wollen. Das wäre vielleicht ein bisschen zu weit gefasst.
Also beschränke ich mich heute auf eine einzelne Unterart, nämlich auf die Ameisen, die zur Ordnung der Hautflügler gehören und immer noch 13.000 Arten umfassen, wobei ca. 130 davon auch in Österreich vorkommen. Wusstet ihr, dass es bereits seit geschätzten 130 Millionen Jahren Ameisen gibt? Also ich nicht... Außerdem sind Ameisen die wohl am häufigsten vorkommenden Wesen auf diesem Planeten: Die Biomasse aller Ameisen auf der Welt ist um einiges größer, als jene aller anderen Wirbeltiere (inkl. Menschen) zusammengezählt!
 
Alle Ameisenarten haben gemein, dass sie in Staaten leben, wobei diese nur einige hundert Individuen, bis zu mehreren Millionen umfassen können. Viel bekommt man vom Leben der Ameisen ja im Normalfall nicht mit. Am häufigsten sieht man noch Ameisenstraßen - vielbelaufene Wege, über die sie die erjagte und gesammelte Nahrung zurück in ihren Bau bringen. Die meisten Ameisenarten bauen sogenannte Erd- oder Holznestern, die sich bis zu 8m in die Tiefe und auf einer Fläche von 50m² erstrecken können. Die Waldameise macht ein sogenanntes Hügelnest, allgemein bekannt als Ameisenhaufen (siehe Foto rechts). Diese findet man jedoch eher selten im Garten, sondern meistens im Wald, auf Lichtungen, oder am Waldrand. Dann sieht man jedoch auch nur sozusagen die Spitze des Eisbergs, denn auch bei dieser Art liegt der Großteil des Ameisenbaus unter der Erde. Waldameisen stehen in Österreich übrigens unter Naturschutz! Ihre Bauten dürfen daher nicht zerstört werden - sollten Sie einmal ungebetene Gäste haben, so vernichten Sie ihren Bau also bitte nicht, sondern wenden Sie sich an einen sogenannten "Ameisenheger" (kein Scherz!), der das Ameisennest an einen geeigneten Ort umsiedeln kann!

Ameisen sind sehr straff organisiert: es gibt die Königin, die in ihrer Jugend Flügel besitzt, diese jedoch nach ihrem Hochzeitsflug verliert und deren einzige Aufgabe das legen von Eiern ist. Dann gibt es einige Männchen, die geflügelt sind, jedoch direkt nach der Paarung sterben. Der Großteil des Volkes besteht jedoch aus unfruchtbaren Arbeiterinnen, die flügellos sind und ihr gesamtes Leben mit Brutpflege (siehe Foto rechts), Nestbau, Sammeln und Jagen beschäftigt sind.

Ameisen übernehmen sehr wichtige Aufgaben in jedem Ökosystem: Durch ihre weit verzweigten Bauten unter der Erde tragen sie maßgeblich zur Belüftung und Umarbeitung des Erdbodens bei. Außerdem sind sie sehr nützliche Schädlingsbekämpfer, da sie jagen gehen und allerlei andere Insekten, bzw. deren Larven fressen, wie zum Beispiel den Borkenkäfer, der eine Plage für jeden österreichischen Waldbauer ist, der hauptsächlich Fichtenwälder bewirtschaftet. Ameisen werden daher auch als die Gesundheitspolizei des Waldes bezeichnet. Im Foto rechts ist deutlich zu erkennen, wie eine Waldameise einen toten Ohrenschlürfer (auch Ohrwurm (Dermaptera) genannt) davon trägt, der um einiges größer ist, als sie selbst.

Ameisen sind jedoch nicht ausschließlich Fleisch-, sondern sogenannte Allesfresser. Sie ernähren sich auch von Samen, die sie sammeln und in ihr Nest tragen - wodurch sie auch bei der Ausbreitung von Pflanzen mithelfen. Und natürlich dienen sie selbst als eine wichtige Nahrungsgrundlage für viele, viele andere Tiere (Vögel, Amphibien, Spinnen,...).
Sie sind jedoch nicht ausschließlich Jäger und Sammler, sie halten sich quasi auch Haustiere: Ameisen pflegen und beschützen Lauskolonien, deren süße Ausscheidungen (=Honigtau) sie liebend gerne fressen (siehe Foto rechts). Ohne Ameisen gäbe es wohl kaum so etwas wie Waldhonig! Es gibt sogar einige Arten, die sich Sklaven halten! Diese unterwerfen andere Ameisenarten und lassen diese für sich arbeiten.

Man sieht  also deutlich: Ameisen sind nicht nur irgendwelche Lästlinge, sondern sehr wichtige Mitarbeiterinnen in einem gesunden Ökosystem. Wer also in seinem Garten einen Ameisenbau entdeckt oder auch nur eine Ameisenstraße beobachtet, kann sich sehr glücklich schätzen - wollen sie jedoch in Ihre Wohnung einziehen, rate ich aus Naturschutzgründen von Ameisengift ab, da dieses häufig auch auf andere Insekten wirkt. Ich habe gute Erfolge mit Lavendelöl (diesen Geruch hassen Ameisen) und konsequentes wegsaugen, sobald sie sich irgendwo im Haus ansiedeln wollen. Nach spätestens zwei Tagen gibt das Volk auf und siedelt sich wo anders an, ohne, dass ihm wirklich geschadet wurde.



Kein Kommentar


Zurück zum Seiteninhalt