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Weinbergschnecken

di paula polak - ingenieurbüro für naturnahe landschaftsplanung
Herausgegeben von in Tiere im Naturgarten ·
Tags: TiereimNaturgartenUmweltschutzRoteListeBiodiversität
Heute soll es um ein ganz besonderes Weichtier gehen, nämlich um die Weinbergschnecke. Weshalb dieser Schneckenart ein ganzer Artikel gewidmet wird, ist einfach erklärt: sie ist - im Gegensatz zu anderen Schneckenarten - eine der bekanntesten und gleichzeitig am stärksten bedrohte Schneckenart, weshalb sie auf der Roten Liste steht.

"Schwäbische Austern"
Auf Grund ihrer Größe von bis zu 5cm Haus- und 10cm Körperlänge, sowie einem Gewicht von bis zu 30g ist sie sehr vielen Leuten ein Begriff. Andere kennen Sie als "Schwäbische Auster" aus dem Gourmet-Restaurant - man bedenke, dass alleine in Frankreich jährlich 40.000 Tonnen Weinbergschnecken verzehrt werden! Dies ist jedoch nicht der Grund für ihren starken Rückgang, denn Weinbergschnecken für die Küche werden auf speziellen Farmen in Frankreich, Deutschland, der Schweiz und der Türkei gezüchtet. Wild lebende Exemplare dürfen nicht getötet, also auch nicht gegessen werden!

Gefährdungsfaktor Mensch
Trotz allem ist der Mensch der größte Feind der Weinbergschnecke. Denn durch den starken Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft gibt es immer weniger Lebensraum für die Weinbergschnecke und zahlreiche weitere Tierarten. Dazu kommt die zunehmende Übersäuerung des Wassers und damit auch des Bodens. Da Schneckenhäuser aus Kalk bestehen, sind diese sehr anfällig auf Säureeinwirkung. Durch das Fressen von Pflanzen die auf sauren Böden stehen und ständig saures Wasser (PH-Wert) aufnehmen, werden die neu "gebauten" Schalen der Schneckenhäuser immer dünner und dadurch leichter zerbrechlich. Zusätzlich können sie durch sauren Regen weiter geschwächt werden. Außerdem wird vermutet, dass der saure Regen die Fortpflanzungsrate mindert, da wahrscheinlich die Eientwicklung gestört wird. Dies führt insgesamt zu einem starken Rückgang der Weinbergschneckenpopulation.
 
Wozu haben Weinbergschnecken ein Diaphragma?
Dabei sind es ziemlich interessante Tiere. Wussten Sie zum Beispiel, dass Weinbergschnecken ein Diaphragma haben? Ja wirklich! Ist es sehr heiß, dann reicht die hygroskopische (also wasseranziehende) Schleimschicht der Schnecken nicht mehr aus, um sie vor der Trockenheit zu beschützen. Dann beginnt sie die Öffnung ihres Schneckenhauses, in das sie sich zurück gezogen hat, mit Schleim zu überziehen, der an der trockenen Luft schnell austrocknet und eine Schutzschicht nach außen darstellt. Diese Membran nennt man Diaphragma!

Überwinterungsstrategie
Vielleicht haben Sie ja auch schon einmal eine Weinbergschnecke gefunden, deren Hausöffnung mit einer dicken Schicht (wie am Foto rechts erkennar), nicht mit einer dünnen Haut verschlossen war? Dann haben Sie eine Weinbergschnecke in der Winterstarre gefunden! Die Kalkschicht und der dahinter liegende Luftpolster dienen als Isolierung. Da sie sich zusätzlich eingräbt, kann sie winterliche Tiefsttemperaturen von bis zu -40°C überleben. Damit ist sie die Schnecke, mit der wahrscheinlich raffiniertesten Überlebensstrategie für den Winter in Europa. Denn das Erdloch in das sie sich zurückzieht gräbt sie nicht nur selber, die deckt es auch gezielt mit Pflanzenteilen zu! Außerdem verliert sie VOR der Winterstarre bis zu 90% ihres Gewichts, indem sie das in ihrem Körper enthaltene Wasser ausscheidet, sodass ihr Blut dicker wird und so als eine Art natürliches Frostschutzmittel dient. Ziemlich ausgeklügelt, oder?
 
Übrigens: Weinbergschnecken sind reine Pflanzenfresser (obwohl sie auch gekochtes Ei nicht verschmähen, wenn sie es angeboten bekommen). Der Mythos, sie würden die Gelege von Nacktschnecken fressen, ist mittlerweile wissenschaftlich widerlegt! Nichts desto trotz haben sie einen Sinn im Naturgarten, denn sie ernähren sich hauptsächlich von welken Pflanzenteilen und helfen so dabei, den Garten praktisch "sauber" zu halten.
 
Und noch etwas Skurriles zum Abschluss: die Spirale des aus Kalk bestehenden Schneckenhauses drehen sich bei Weinbergschnecken im Allgemeinen immer nach rechts. Nur bei einer aus 20.000 dreht sie sich nach links.
Diese Schnecke nennt man dann Schneckenkönig!



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